Zeitgerechte Heimatpflege

Nachdem das Anwesen Bohnenberger Ende 2018 ins Eigentum der Bürger unserer Gemeinde übernommen wurde, stellt sich unverändert die Frage, was denn nun damit passieren soll. Nach klarer Aussage der früheren Eigentümer wie der Verwaltung wurde das Anwesen „auf Abbruch“ erworben. Die Zielsetzung „Abbruch“ wurde zwischenzeitlich von Verwaltungsseite relativiert. Aber was soll denn nun damit geschehen? Da für den Erwerb 215 T€ aufgewendet wurden, Abbruch + Wiederherstellung des Geländes nochmals mit mindestens 60-80 T€ zu veranschlagen sind und der in den Erwerbskosten enthaltene Waldanteil keinen Wert repräsentiert (da der Holzwert infolge der ungünstigen, ungemein steilen Topographie komplett von den forstlichen Fäll-Kosten aufgefressen wird), halte nicht nur ich einen Aufwand von grob 300 000 € für geschätzte 400 qm pflegebedürftige Grünfläche als keine sinnvolle Investition. Eine alternative Neu-Bebauung ist aufgrund heute geforderter Grenz- und Straßenabstände fast unmöglich. So drängen sich bürgerliche Nutzungsmöglichkeiten auf. Und die Bürger sollten auch in erster Linie darüber entscheiden, was mit ihrem Eigentum passiert.

Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass sich die Verwaltung schon vor dem Erwerb Gedanken über eine Weiternutzung gemacht hat, da dieser Erwerb das sprichwörtliche schwäbisch Nasenwasser doch beträchtlich übersteigt und kaum ohne einleuchtenden Grund erfolgt sein kann. Die Finanzlage der Stadt Bad Teinach-Zavelstein ist zwar seit ihrer Gründung 1975 stets solide und unter dem Strich netto immer schuldenfrei geblieben, dennoch konnten eine Reihe wichtiger Projekte bewältigt werden. Nach der durch den Erwerb erfolgten Weichenstellung wird sich nun zwangsläufig auch das Anwesen Bohnenberger zu den zu bewältigenden Projekten gesellen müssen.

Die derzeit 60 Mitglieder der Initiative „Lebenswerte Gemeinde“ sind sich einig, dass eine Verbesserung von infrastrukturellen Schwächen unserer Stadt angegangen, zumindest auf Machbarkein untersucht werden sollten.

Es ist kein Geheimnis, dass die Schließung des Betriebs Hahn in Zavelstein eine empfindliche Lücke hinterlassen hat. Einmal fehlt eine wohnortnahe Lebensmittel-Grundversorgung auf dem gesamten Stadtgebiet, die vor allem ältere und weniger mobile Mitbürger trifft. Schwer wiegt jedoch auch der damit verbundene Verlust eines zentralen sozialen Knotenpunkts: Die unterschiedlichen Generationen ebenso wie Neu- und Altbürger driften auseinander bzw. finden nicht zusammen. Auf die unaufhaltsame demographische Entwicklung, also die Zunahme des älteren Bevölkerungsanteils bei gleichzeitigem Rückgang der Jüngeren, wird von vielen Seiten hingewiesen. Wir betrachten es als zentrales kommunales Aufgabenfeld, diesen Entwicklungen – soweit möglich – Rechnung zu tragen. Daneben fehlen in Zavelstein Räumlichkeiten, in denen junge Leute Unterschlupf finden könnten. Auch ein mittelgroßer Raum z.B. für Ausstellungen, Vorträge, Kleinkonzerte etc., der das kommunale kulturelle Leben stützen könnte,  steht nicht zur Verfügung.

Die Stadtverwaltung hat verlauten lassen, dass eine Untersuchung zur Eignung für eine Tagespfleg-Einrichtung in Auftrag gegeben wurde. Zum Stand dieser Überlegungen/Planungen hat die Stadt bisher keinen Einblick gewährt. Sollte eine Eignung hierfür festgestellt werden, wären damit immerhin der Erhalt des Gebäudes und eine nutzbringende Verwendung gesichert. Aber an den infrastrukturellen Defiziten würde sich dadurch nichts ändern.

Sinn und Zweck der angerissenen Vorstellungen werden sicherlich unterschiedlich beurteilt. Wir wünschen uns daher eine breite Meinungsbildung durch die Bürger unserer Stadt.

Klaus Pichler

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Lebenswerte Gemeinde – Positionsbeschreibung

Vorstellung der Initiative

Die „Initiative „Lebenswerte Gemeinde““ besteht derzeit aus 60 Privatpersonen (Stand 25.8.19), die überwiegend in der Stadt Bad Teinach-Zavelstein beheimatet sind. Teilweise sind sie aus dem Schwarzwaldverein Zavelstein hervorgegangen, zu dessen satzungsmäßigen Auftrag Heimatpflege und Pflege der kulturellen Besonderheiten gehören. Kein Mitglied der Gruppe verfolgt private wirtschaftliche Zwecke im Zusammenhang mit dem angedachten Projekt.

Die Gruppe hat noch keine juristische Form.

1. Kurzbeschreibung des Projektes

Die Überlegungen sind verknüpft mit dem „Haus Bohnenberger“, dem ortsbildprägenden Gebäude unmittelbar neben dem „Gotsacker“ am östlichen Ortseingang des historischen Städtchens, das von der Stadt Bad Teinach-Zavelstein erworben wurde und dem der Abriss droht. Wir sehen im Bereich unserer Stadt infrastrukturelle Defizite (z. B. fehlende Nahrungsmittel-Grundversorgung verknüpft mit einer sozialen Begegnungsmöglichkeit, Stichwort Bürgerladen und Bürger-Bistro/Café), um der Entwicklung zu einer anonymen reinen Wohn/Schlafgemeinde gegenzusteuern. Hinzu kommt ein Fehlen von Behinderten- und Alten-gerechten Wohnungen.

2.Beschreibung der Ausgangslage

Die Stadt Bad Teinach-Zavelstein entstand bei der Gemeindereform 1975 als Zusammenschluss-Gemeinde von sieben Ortsteilen, wobei die Zwergstadt Zavelstein (mit einem Ämtlein von 12 Ortschaften) über Jahrhunderte als Versorgungs- und Verwaltungszentrum der Region fungierte. Bedingt durch die Topographie und den Charme des historischen Städtchens sowie die Wertschätzung des nahegelegenen Bad Teinach mit seinen Quellen und Badeeinrichtungen besteht seit über 200 Jahren eine hohe Akzeptanz sowohl für den Tages-Tourismus, wie auch für den Beherbergungs-Tourismus. Insbesondere in Zavelstein und den Nachbarorten Sommenhardt und Rötenbach hat die Bevölkerungszahl infolge Ausweisung zahlreicher Neubaugebiete beträchtlich zugenommen und wird weiter steigen.

Vor 5 Jahren schloss der letzte alteingesessene Versorgungsbetrieb (Bäckerei mit Lebensmittel-Einzelhandel + Metzgerei), der die Ernährungs-Grundversorgung abdeckte. Abgesehen von der Unmöglichkeit einer materiellen Versorgung im Nahbereich macht sich auch das Fehlen sozialer Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten bemerkbar. Dazu kommt die unausweichliche demographische Entwicklung: Bei einer insgesamt zunehmend alternden Bevölkerung lässt die Mobilität nach und der Versorgungsbedarf steigt. Die Tendenz, zur anonymen Wohn/Schlaf-Gemeinde abzusinken, ist unverkennbar und – im Vergleich früheren Verhältnissen, soweit diese von uns überblickt werden können – weit vorangeschritten

Ende 2018 wurde von der Stadt das „Haus Bohnenberger“ erworben, ein prägnantes Gebäude am Osteingang des historischen Städtchens, dem nun der Abriss droht. Das muss nach unserer Überzeugung verhindert werden: Diesem Gebäude kommt ein sehr hoher ortsbildprägender Charakter zu und es bildet mit dem danebengelegenen historischen Gotsacker ein für Zavelstein charakteristisches Ensemble. Außerdem handelt es sich um eines der wenigen Gebäude, das noch eine Schwarzwald-typische Verschindelung zeigt. Gravierend ist aus unserer Sicht auch, dass das freiwerdende Baufenster wegen heute geforderter Straßen- und Bauabständen faktisch nicht mehr anderweitig bebaut werden kann. Nach unserer Überzeugung dürfen am östlichen Ortseingang nicht auch unerwünschte Verhältnisse entstehen wie am westlichen und neuerdings am nördlichen Eingang.

3. Die Projektidee

Wir schlagen vor, die Bündelung mehrfacher Anliegen zu prüfen: Einmal die Erhaltung des Anwesens Bohnenberger unter dem Motto „Aufwerten statt Abreißen“, wobei sich zwangsläufig die Frage nach einer sinnvollen Nutzung stellt. Aus unserer Sicht wäre dies eine Wiederherstellung einer wohnortnahen Versorgung im Erdgeschossbereich mit Nahrungsmitteln des täglichen Bedarfs in Form eines „Bürgerladens“ , möglichst in Kombination z. B. mit Anlieferungen an Alte/Behinderte, in Kombination mit einer Poststelle, sowie in Kombination mit einem „Bürger-Bistro/Café“. Dazu wäre zu klären, ob sich in den darüber liegenden Geschossen der Mangel an Alten- und Behinderten-gerechtem Wohnraum reduzieren ließe. Allerdings wäre dazu der Einbau eines Aufzugs erforderlich.

Ganz wesentlich wäre aus unserer Perspektive jedoch, das soziale Zusammenwachsen zu fördern, um der zunehmenden Tendenz zu einem anonymen und beziehungslosen Nebeneinander entgegenzuwirken.

4. Der bisherige Stand

Fraglos sind Organisation, Einrichtung und Betrieb eines derartigen Projektes keine Selbstläufer. Auch andere Gemeinden haben ähnliche Wege getestet, und aus der Presse sind verschiedentlich damit verknüpfte Schwierigkeiten zu entnehmen. Jedoch gibt es auch gelungene Beispiele.

Mit wirtschaftlichen Unsicherheiten verbunden dürfte vor allem ein Lebensmittel-Versorgungsbetrieb sein. Voraussetzung wäre, dass sowohl eine Mehrheit der Bevölkerung sowie die Kommunalverwaltung einen wollen und dahinter stehen. Hierzu sind derzeit keine belastbaren Aussagen möglich: Aus der Bevölkerung kommen zwar viele positive Signale, doch es gibt auch skeptische Stimmen. Jedoch sind wir der Auffassung, dass es noch nie geschadet hat, Optionen zu untersuchen. Wir setzen uns daher für eine möglichst realistische Analyse hinsichtlich Chancen und Machbarkeit ein.

5. Was soll wie untersucht werden

 Aus der Perspektive des Erhalts eines ortsbildprägenden Gebäudes sowie von Bedarf einerseits und geeigneter Lage andererseits vertritt unsere Projektinitiative die Auffassung, dass unvoreingenommen geklärt werden sollte, ob eine Bündelung und Umsetzung unserer Anliegen machbar wären.

Dazu gehört auch eine baulich-architektenmäßige Überprüfung des Gebäudes. Selbstverständlich können auch andere gute Ideen zum Tragen kommen.

6. Aspekte

Es kann niemand daran gelegen sein, Utopien nachzujagen. Aber perspektivische Überlegungen zur Entwicklung jenes Fleckchens auf diesem Globus, das wir als „Heimat“ betrachten, sollten nicht von vornherein abgewiesen werden.

So sehen wir die beschriebenen Projekte als Teile der „Daseinsvorsorge“. Laut Definition (siehe Gabler Wirtschaftslexikon) umfasst „Daseinsvorsorge die Sicherung des öffentlichen Zugangs zu existentiellen Gütern und Leistungen entsprechend der Bedürfnisse der Bürger, orientiert an definierten qualitativen Standards und zu sozial verträglichen Preisen. Welche Güter und Leistungen als existentiell notwendig anzusehen sind, ist durch die politische Ebene zeitbezogen zu ermitteln.“

Ganz unzweifelhaft gehört die Versorgung einer alternden und wachsenden Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs ebenfalls zur Daseinsvorsorge. Diese kann zwar in unseren gesellschaftlichen Strukturen nicht durch Kommunalverwaltungen abgedeckt werden, doch eine Unterstützung hierfür sehen wir auch als Teil des kommunalen Aufgabenfelds.

Selbstverständlich stehen wir hinter jeglichen Maßnahmen zur Förderung von Infrastruktur. So wird begrüßenswerter Weise der Breitbandausbau in Sachen Internet vorangetrieben. Bei Licht betrachtet kommt dies jedoch nur einem kleinen Teil unserer Bevölkerung zugute, während im Hinblick auf eine Grundversorgung mit Lebensmitteln potentiell die gesamte Bevölkerung profitieren könnte.

Dass die Wege der Nahrungsmittelversorgung sich gewandelt haben, ist offenkundig. Mit eher ungläubigem Staunen hören wir von Versuchen der großen Internet-Anbieter, auch auf diesem Markt Fuß zu fassen. Dass die Brezel und das Frühstücksei demnächst via Amazon-Päckchen oder vielleicht irgendwann mittels Drohne angeliefert werden, ist aber nur schwer vorstellbar und – vor allem auch aus ökologischen – Gründen keinesfalls wünschenswert. Also versuchen wir doch besser „die Kirche im Dorf“ und – vielleicht – eine Bürger-Einrichtung ins Städtle zu lassen – unter der Voraussetzung, dass Voruntersuchungen grünes Licht signalisieren.

Dr. Klaus Pichler

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Lebenswerte Gemeinde -Flyer

Initiative für Bad Teinach – Zavelstein

gemeinsame Verantwortung
für das historische Erbe
für ein lebendiges Miteinander
für folgende Generationen

Bad Teinach – Zavelstein ist mit seinen sieben Ortsteilen über viele Generationen hinweg für seine Bürger zu einer lebens- und liebenswerten Gemeinde gewachsen, um die wir vielerorts, insbesondere von unseren Gästen, bewundert werden.

Für dieses einmalige Erbe möchte sich die Initiative „Lebenswerte Gemeinde“ einsetzen und es bewahren, im Sinne von Nachhaltigkeit auch für die kommenden Generationen.

Dabei sehen wir uns als unterstützende Kraft, mit dem Ziel nicht nur zu erhalten, sondern auch offen zu sein für sinnvolle Weiterentwicklungen.

Die Initiative „Lebenswerte Gemeinde“ möchte sich mit ihren Ideen und ihrem Engagement in diesen Entwicklungsprozess einbringen und sich auch an möglichen Realisierungen beteiligen.

Gemeinsam mit örtlichen Institutionen wollen wir durch bürgerliches Engagement Projekte anstoßen, die für die Zukunftsentwicklung unserer Ortsteile wichtig sind.

Wir denken dabei an

Bürgercafé als Begegnungsstätte für Alt- und Neubürger
Versorgung mit allem, was man täglich braucht, unter Berücksichtigung regionaler Produkte
Warenanlieferung nach Bedarf
Treffpunkt für Jugendliche
Wohnmöglichkeiten für ältere/behinderte Mitbürger

Aufwerten anstatt Abreißen

Wir setzen uns ein für den Erhalt ortsbildprägender Gebäude wie das Haus Bohnenberger unmittelbar neben dem historischen „Gotsacker“, das von der Stadt „auf Abriss“ erworben wurde, und fordern eine Prüfung neuer Nutzungsmöglichkeiten.

Wir laden Sie ein

sich mit uns zu engagieren und Ideen für unsere Gemeinde zu entwickeln sowie

Ihre Fähigkeiten für unsere Ziele zur Verfügung zu stellen.

Eine große Anzahl von Personen hat sich bereits der Initiativgruppe „Lebenswerte Gemeinde“ angeschlossen.

Um weitere Auskünfte zu erhalten oder in persönlichen Kontakt mit unserer Initiative zu kommen, können Sie sich gerne über unser Kontaktformular wenden an:

Michael Karst
Wolfgang Krieg
Werner Krauss
Klaus Pichler
Joachim Stocker
Jörg Widmann

Möchten Sie über unsere Aktivitäten informiert bleiben und sich mit Gleichgesinnten über unsere Themen austauschen, laden wir Sie gerne auf diesen Webseiten dazu ein. Nach einer unverbindlichen Registrierung können Sie alle Kommunikationsmöglichkeiten dieser Webseiten im Blog, Forum und bei Umfragen nutzen.

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